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Donnerstag, 19. April 2018

Aufreger um di Santo

SCHALKE hat das Finale verpasst, weil es gegen Frankfurt im Angriff nicht stark genug ist. In der Nachspielzeit haben die Knappen großes Pech. 

Vor einem Jahr steckte Domenico Tedesco mit Erzgebirge Aue noch mitten im Zweitliga-Abstiegskampf, nun hätte er es in seinem Premierenjahr als Erstligatrainer fast ins Pokalfinale geschafft. Nur drei Tage nach dem Revierderby herrschte in der S04-Arena erneut eine prickelnde Atmospähre, die den FC Schalke letztlich aber nicht ins Endspiel trug. Die in der Liga so treffsicheren Gelsenkirchener ließen beim Aus gegen Frankfurt ihre Kaltschnäuzigkeit vermissen, allein Guido Burgstaller hatte zweimal die Führung auf dem Fuß. In der Nachspielzeit traf dann zwar Franco Di Santo, doch wegen vermeintlichen Handspiels galt der regulär erzielte Treffer nicht - und der für so eine Situation eigentlich eingeführte Videobeweis wurde vom Schiedsrichter gar nicht bemüht. Das machte das Aus noch viel bitterer. Naldo, Daniel Caligiuri und Bastian Oczipka heißen die drei Profis aus dem aktuellen S04-Kader, die genau wissen, wie sich eine Finalteilnahme anfühlt. Oczipka hatte das Endspiel im Vorjahr mit Frankfurt gegen den BVB verloren, während Caligiuri (2015 mit Wolfsburg) und Naldo (2015 mit Wolfsburg, 2009 mit Bremen) den Pott bereits in die Höhe stemmen durften. Auch Sportvorstand Christian Heidel war ganz heiß darauf, Protagonist des Endspiel-Events zu werden.

Der langjährige Mainzer Manager gestand: "Während meiner Zeit in Mainz habe ich nicht daran gedacht, dass ich Meister werden könnte, ich habe aber immer im Hinterkopf gehabt, dass man mit fünf Siegen nach Berlin fahren darf." Er habe es "24-mal versucht" und sei "24-mal gescheitert. Ich war zwar bestimmt schon 15-mal beim Finale, aber immer nur als Zuschauer." Daran wird sich vorerst nichts ändern. Den Schalkern bleibt am 19. Mai eine zusätzliche Chance verwehrt, um zu beweisen, dass ihre Erfolge in dieser Saison nicht auf Glück beruhen. Heidel hatte nur wenige Stunden vor dem Anpfiff des Halbfinals beherzt eine Lanze für die Mannschaft gebrochen. "Wir haben in der Liga 55 Punkte geholt und sind Zweiter", dazu sei man bis ins Pokal-Halbfinale gekommen. Der Manager zeigte sich verwundert und sogar fast schon etwas verärgert darüber, dass die Qualität des Teams seiner Meinung nach über Gebühr infrage gestellt wird. "Mir kommen unsere Jungs teilweise zu schlecht weg", sagte er, "nur mit Maloche kann man keine 55 Punkte holen und insbesondere nicht die Mannschaften schlagen, die angeblich so viel besser sind." Heidel erinnerte daran, in der Liga weder gegen den BVB noch gegen Leverkusen verloren, zudem Leipzig zumindest einmal in die Knie gezwungen und "in München eine außergewöhnlich starke Leistung" abgeliefert zu haben. Gerne hätten sich die Schalker angeschickt, auch am 19. Mai eine außergewöhnliche Darbietung gegen die Bayern zu zeigen. Zumal sich exakt an diesem Tag der dramatischste Liga-Schlussakt aller Zeiten jährt. 2001 war Schalke nur der fragwürdige Titel "Meister der Herzen" geblieben, während die Bayern ihre unglaubliche Last-Minute-Meisterschaft bejubelten.