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Sonntag, 22. April 2018

Die Lachnummer AC Milan

Benevento blamiert den AC MAILAND erneut. Trainer Gattuso ist stinksauer, die Bosse völlig entgeistert.
Seinen Albtraum als junger Trainer in der Serie A hat Gennaro Gattuso also schon erlebt. Vor einigen Monaten verdarb Benevento sein Debüt beim AC Mailand durch einen Hechtkopfball des Torwarts zum 2:2-Ausgleich weit in der Nachspielzeit. Für den Neuling bedeutete dies damals den historischen ersten Punkt in Italiens höchster Liga überhaupt. Im Rückspiel glückte den Süditalienern nun gar ein 1:0-Erfolg - der erste Auswärtssieg des krassen Außenseiters nach zuvor einem einzigen Remis, 15 Niederlagen und 9:41 Toren wurde zu einem der peinlichsten Momente in der AC-Geschichte.

Gattuso weiß mittlerweile, warum Benevento Calcio den Beinamen "die Hexen" führt. Die kurze Schockstarre des "Pitbulls", wie er als Spieler bezeichnet wurde, wich recht flugs seinem üblichen Knurren: "Ich bin Chef in dem Laden hier und schäme mich für diese seelenlose Truppe. Jeder muss sich einzeln bei den Fans entschuldigen, denn wir haben wie Hobby-Musiker gespielt." Das glich eher einem fiesen Affront gegenüber allen passionierten Freizeitbarden dieser Welt. Benevento spielte ein Weilchen nach vorne, traf durch das zweite Saisontor von Pietro Iemmello nach einer knappen halben Stunde und verteidigte danach konsequent.

Das Konzept langte im Vergleich zur Mailänder Unordnung, in der die uninspirierten und ausgelaugten Mannschaftsblöcke wie einzelne Fremdkörper wirkten. Vor allem in der Offensive offenbart sich mit den millionenschweren Neuzugängen Nikola Kalinic und André Silva ein deutliches Problem, beide haben nie eine wirkliche Bindung gefunden. Die generelle Negativtendenz unterstreichen vier Remis und zwei Niederlagen in den letzten sechs Spielen, dabei gelangen nur drei Tore. "Bei allem Respekt für Benevento: Wir tragen das Trikot des AC Mailand, in dem man sich solche Peinlichkeiten nicht erlauben darf", wetterte Gattuso.

Die noblen Farben sind deutlich verblasst, und die geladenen Tribünengäste des Elliott-Fonds, dessen Darlehen Milans Ambitionen nährte, erkannten womöglich entgeistert, in welch poröse Masse sie da eigentlich investiert hatten. Das Ziel der neuen chinesischen Eigner hieß Champions League, doch mit fünf Punkten weniger als im Vorjahr ist jetzt sogar die Europa League in Gefahr. Gäste-Trainer Roberto de Zerbi feixte derweil: "Die Lachnummer Italiens hat Geschichte geschrieben. Ich sagte meinen Jungs vorher: Wenn man uns begraben will, sollten sie den Sarg sehr gut zunageln." Beneventos Abstieg wurde allerdings nur kurz verschoben, am Sonntag nach Crotones Sieg in Udine stand er dann doch fest.