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Donnerstag, 19. April 2018

PSG: Zwischen Himmel und Erde

Für PSG ist die 7. Meisterschaft gesichert. Aber auch die UEFA will am Freitag Aufklärung zu Fragen des Financial Fair Play.

Die Wertigkeit des Titels hatte Verteidiger Yuri Berchiche (28) schon vor dem Spiel gegen den Titelverteidiger AS Monaco eingeordnet. "Die PSG-Gegner in der Ligue 1 sind einfach nicht stark genug", hatte der vor der Saison von Real Sociedad verpflichtete Spanier in einem Interview mit dem JOURNAL DU DIMANCHE festgestellt, "in La Liga bereiten sich Barcelona, Real und Atletico Madrid auf die europäischen Wettbewerbe vor. Das Leiden am Wochenende hilft ihnen dann."

Der Abend bestätigte Berchiche dann vollends. Mit 7:1 fegte PSG die Monegassen aus dem Prinzenpark. Sieben Tore zum siebten Titel - die L’Equipe titelte "Im siebten Himmel". Immerhin war es die fünfte Meisterschaft in der Ära der Katarer, die den Klub 2011 übernahmen. PSG zog mit dem Titel mit Olympique Lyon gleich, liegt aber hinter St. Etienne (10), Marseille (9) sowie Nantes und Monaco (je 8).

Die Vorführung gegen den amtierenden Meister gelang auch ohne die Superstars Neymar und Kylian Mbappé. Während der Brasilianer für einen seiner Sponsoren in der Heimat pokerte und das PSG-Spiel nebenbei am Bildschirm verfolgte, musste Mbappé grippegeschwächt auf der Bank bleiben, wirkte aber nach Ende wie aufgekratzt - immerhin hatte der 19-Jährige, 2017 von Monaco gekommen, seinen Titel verteidigt.

Das Fehlen der beiden Neuzugänge machte sich kaum bemerkbar. So betätigte sich Edinson Cavani als Anführer der hungrigen Meute, war an den drei ersten Toren beteiligt. Giovani Lo Celso (2), Angel di Maria (2), Cavani und Julian Draxler hießen die PSG-Torschützen - zwischendurch traf auch Monacos Torjäger Radamel Falcao per Kopfball ins eigene Netz.

"Wir haben ein Spektakel geliefert", strahlte Kapitän Thiago Silva, "es war wichtig, früh zu treffen, um den Titel zu sichern. Wir haben nach dem schmerzhaften Aus in der Champions League bei Real Madrid weiter hart gearbeitet, um an der Historie des Klubs mitzuwirken." Silva gehört wie Javier Pastore, Thiago Motta, Marco Verratti und Adrien Rabiot zu den Profis, die alle fünf Titel seit 2011 geholt haben.

Und der nächste ist schon greifbar, falls sich PSG gegen Caen (Mittwoch nach Redaktionsschluss beendet) im Coupe de France für das Finale qualifiziert - als Gegner steht Drittligist Les Herbiers fest. Ansonsten geht’s für das Starensemble in der Ligue 1 nur noch darum, neue Rekorde aufzustellen. Zum dritten Mal in Folge hat PSG mehr als 100 Tore geschossen (103) und visiert jetzt die Bestmarke von 118 Treffern (RC Paris 1959/60) an. PSG kann einen neuen Punkterekord aufstellen, den der Klub seit der Saison 2015/16 mit 96 Zählern selber hält.

Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Am Freitag müssen die Verantwortlichen in Sachen Financial Fair Play bei der UEFA antreten. Trotz neuer Sponsoren-Verträge (laut Financial Times überbewertet) und einer millionenschweren Partnerschaft mit China müssen die Bosse die Zahlen erklären. Denkbar, dass vom frisch gekürten Meisterteam etliche Profis den Klub im Sommer verlassen müssen. PSG zwischen Himmel und Erde.